Vintage Talk...

 
Diese Rubrik versteht sich als eine Art Kolumne zum Vintage-Markt und kommentiert aus total subjektiver Sicht den alltäglichen Vintagewahnsinn mit dem Ziel einer unverbindlichen mittelfristigen Prognose hinsichtlich der Marktrelevanz und der potentiellen Wertentwicklung deutscher Instrumente – über die klingende Rendite der Ami-Schwestern gibt es ja bereits genügend Text.
Die banale Schlussfolgerung aus den kritischen Erkenntnissen der Marktentwicklung in den letzten 30 Jahren lautet, dass die Investition in deutsche Gitarren nicht die Basis für märchenhaften Reichtum war… 
Schon in den frühen 80ern kosteten die bekannten BRD-Topmodelle egal welcher Provenienz vergleichsweise viel Deutschmark – eine Lang unter 1500.-, eine Höfner 470, Framus AZ 10, Hoyer Special, Roger usw. unter 1000.- wurde nicht angeboten, wenn überhaupt…die sicher auch damals schon realisierten Schnäppchen sind kein allgemein gültiger Maßstab; auch heute kann theoretisch eine Committee für 150.- Euro den Besitzer wechseln, die Wahrscheinlichkeit entspricht jedoch der Chance, die Stecknadel im Heuhaufen oder den Goldklumpen in der Restmülltonne zu finden und bildet nicht den gesamten Markt ab.
     Es gibt jedoch Entwicklungen, die aufhorchen lassen und Einfluss auf die bisher eher verschnarchte und subjektive Preisbildung der german Oldies haben könnten im Sinne kontinuierlicherer Wertzuwächse:
-    Das Internet als weltweite Plattform mit raschem Zugriff ermöglicht durch kurzen Mausklick einen Überblick über Angebot und Preise, wie er in der Vor-www.Zeit undenkbar war; dies fördert die  Nachfrage und präsentiert die aktuelle Wertigkeit von Instrumenten made in germany  in verbindlichem Format.
-         Die vielfältigen Publikationen über sowohl fabrikmäßig als auch in kleinen Werkstätten vom Luthier himself gebaute Instrumente wecken auf breiter Basis Begehrlichkeiten – schön präsentierte Stücke auf hochauflösenden Farbfotos mit detaillierten Textinfos sind bestes Marketing für das Genre… „die will ich haben…!“
-         Die Vorurteile gegenüber deutschen Gitarren zeigen deutlichen Rückgang aufgrund gründlicherer Beschäftigung mit der Spezies; Kommentare wie z.B. „die klingt ja genauso gut wie eine G….n sind immer häufiger auf Vintage-Shows, Archtop-Treffen, beim Antesten im Gitarrenladen und sonst wo zu vernehmen. Die ernsthaftere Beschäftigung mit den Deutschen Oldies führte zudem  zu Erkenntnissen über Möglichkeiten der Klangoptimierungen der Vintage Ladies, die schon durch äußerliche Maßnahmen (z.B.anderer Steg, Tailpiece, Saiten usw.) verblüffende und deutlich hörbare Verbesserungen bringen können.
-         Schlaggitarren – insbesondere die teutonischen - galten lange Zeit im Laden als „Wall-Hanger“, nur geschätzt von einer Randgruppe, uncool bei der musizierenden Jugend und als nur begrenzt spielbar im Blick auf die vielen Musikrichtungen in die Ecke „Jazzgitarre“ bzw. Oberkrainerklampfe verbannt - besten Falls als Rockabilly-Teil geduldet – diese Tendenzen sind inzwischen stark rückläufig dank einer toleranteren und aufgeklärteren Gitarren–Society.
-         Die zeitgenössischen Gitarrenbauer kaprizieren sich zunehmend auch auf Archtops sowie auf innovative Formen der Optimierung dieser Bauart; die großen Hersteller wollen nicht zurückstehen und präsentieren Neuauflagen legendärer Modelle wie Committee von Höfner oder die Framus Billy Lorento resp. Bill Wyman Starbass.
Betrachtet man die Preise einer neuen Committee oder die der in Fernost produzierten Framus–Lorentos stellt man verblüfft fest, dass die Originale zur Zeit noch zum halben Preis des Replikats angeboten werden…in der Regel liegt der geforderte Preis eines Originals, sei es ein Oldtimer, altes Blechspielzeug, historische Möbel oder sonstige „collectibles“ um ein vielfaches über der Neuauflage!
Das Endorserprinzip „was der populäre Musiker spielt, muss gut sein und ich will auch so klingen“ verhalf diversen US-Gitarren zu einem legendären Ruf, insbesondere wenn sie nach der spielenden Person benannt wurden, man denke an Gibsons Charlie Christian, Jonny Smith, Tal Farlow, Trini Lopez, Barney Kessel, die Byrdland usw. – in Deutschland gab es zu der Zeit nur ein einziges Endorser-Exemplar in Form der Billy Lorento aus dem Hause Framus, später dann die Attila Zoller Modelle von Framus und Höfner…letztere Firma reduzierte ihre Modelle zu Nummerngirls–die opulente Erscheinung ihrer der Top-of-the-line Beauty lässt sich hinter der lapidaren Nummer 470 nicht wirklich vermuten…ob eine andere Form des Marketings zu noch größerer internationaler Reputation verholfen hätte und ob die Preisforderungen heute in ähnliche Sphären wie bei den Amischwestern stiegen wenn Herr Farlow, Burell oder Herr Pass sich eine deutsche Lady vor den Bauch gepackt hätten, nobody knows…keiner kann zumindest den Gegenbeweis antreten.
Der entscheidende Stolperstein auf dem holprigen Weg zu Ruhm und Anerkennung deutscher Vintage-Gitarren ist eher ein psychologisches Problem, das die Fachkollegen unter narzistischer Gratifikation verbuchen; mit zunehmendem Erfolg wächst auch das Bedürfnis einer entsprechenden Außendarstellung-wie beim Businessman die S-Klasse und der Alden-Schuh oder beim Promi aus Sport oder Showbiz der kapriziöse Italo-V12 von seinem Premium-Status zeugt, so dürstet der ins musikalische Establishment aufgestiegene Gitarrist nach entsprechenden Statussymbolen – das Upgrade in die Königsklasse lässt sich dann mit einem sündhaft teuren US-Produkt oder einer Custom Order vom renommierten Gitarrenbauer zweifelsfreier darstellen. Diese sekundäre Definition über das Produkt und auch über dessen unverwechselbaren Klang verhindert jedoch zugleich die Chance, bei vorhandener musikalischer Qualität ein Alleinstellungsmerkmal durch tonal vom US-Mainstream abweichende klangliche Besonderheiten des gespielten Instruments zu erreichen.   
In der Gesamtsicht der angeführten Aspekte ist meine persönliche Schlussfolgerung, mit fernöstlicher Gelassenheit die Kirche im Dorf zu lassen und ruhig abzuwarten, wie sich die neuen Parameter in der Zukunft auswirken; der Weg ist bereitet… die Wertigkeit der deutschen Archtops im Aufwind ist nur selbstverständlich und zollt der immensen Handwerkskunst der deutschen Luthiers den gebührenden Respekt;
Zustimmung/Widerspruch erbeten mit Zusage der Veröffentlichung in der Weiterführung des Vintage-Talk!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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